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Chronik des Schützenvereins St. Hermanus Lindloh 1921

Der Vergangenheit zum Gedenken, der Gegenwart zur Erinnerung,
der Jugend zur Mahnung, das Erbe der Väter zu ehren und mehren,
sei diese Chronik gewidmet.

     Gründung des Vereins

Als im Jahre 1919/20 die letzten Kriegsgefangenen aus dem Weltkrieg 1914 – 18 in ihre Heimat zurückkehrten, feierte man im Juni 1920 Kriegsheimkehrerfest auf der Diele von Heinrich Blanke, Lindloh. Auf diesem Fest wurde der Beschluss gefasst, einen eigenen Schützenverein zu gründen. Zu diesem Zweck wählte man einen vierköpfigen Gründungsausschuss: Bernhard Grönniger, Hermann Gröninger, Wilhelm Janzen und Bernhard Schulte(genannt „Künnen Opa“). Diese vier nahmen die Sache in die Hand und fuhren im Mai 1921 per Kutschwagen zum Schützenfest nach Wesuwe, wo schon länger ein Schützenverein bestand, um sich die Sache aus nächster Nähe anzusehen. Dem Bericht Rudolf Janzens zufolge, der die Gesellschaft kutschiert hat, muss es lustig zugegangen sein. Wenn man bedenkt, dass die Zeiten sehr schlecht waren und das Geld keinen festen Wert mehr hatte, kann man sich folgende Episode erklären:

Man hatte in Wesuwe mehrere Runden verzehrt, als der Kellner zum Bezahlen drängte. Wilhelm Janzen zog einen holländischen Gulden aus der Westentasche und fragte, ob er damit bezahlen könne. „Das wohl“, sagte der Kellner, er müsse aber wegen der Höhe des Wechselkurses mit dem Wirt reden. Nun stand der Gulden aber so hoch, dass unsere vier Freunde und der Kutscher freien Verzehr hatten. Zum Schluss blieb sogar noch Geld für eine Flasche Korn als Wegzehrung übrig.

An guten Erfahrungen reicher kamen sie wieder heil in Lindloh an und beschlossen, das erste Schützenfest im Juni desselben Jahres zu feiern. Als Platz wählten sie die „historischen Kiesberge von Lindloh“, wie Heinrich Blanke sagte. Dieser Platz war Gemeindeeigentum, von dem die Bauern den Kies zum Mauern holten.

Am ersten Tag des Schützenfestes wurde der weit über die Kreisgrenze hinaus bekannte Heimatschriftsteller Hermann Gröninger König. Als Königin erkor er sich Frau Luise Brümmer. Am zweiten Tag fand das Königsschießen statt. Geschossen wurde mit dem Karabiner 98 immer in die Sandberge hinein, welche ein guter Kugelfang waren. Nach langem Kampfschiessen errang Hermann Behnes („Mettens Opa“) die Königswürde. Als Königin wählte er Frau Thekla Schröer.


     Die Nachkriegszeit

Nach neunjähriger Zwangspause durch den zweiten Weltkrieg fand 1948 wieder ein Schützenfest statt. Da der letzte König Bernhard Arling nach Fehndorf verzogen war, wurde Heinrich Stroot zum Ehrenkönig gewählt. Stroot war seit Mai 1946 Bürgermeister der Gemeinde Lindloh. Das Fest war ein großes Ereignis für Lindloh. Noch fehlten viele Mitglieder des Vereins, die sich in Gefangenschaft befanden; die letzten kamen erst 1954 zurück. Es war das Jahr des Kopfgeldes. Alle deutschen Bürger, die bis Juni 1948 geboren waren, bekamen DM 30,- vom deutschen Staat. Der erste Groschen wurde auf dem Lindloher Schützenfest für einen Schnaps umgesetzt.


     Die weiteren Jahre

Da der Meentemoorer Thron 1955 über das Hoheitsgebiet von Schwartenberg fahren musste, war eine Wegsperre an der Ausfahrt des Königs angebracht worden. Die Schwartenberger Bürger forderten 3 Kontingente für die Benutzung ihres Territoriums. Im Jahre 1963 wurde die Ortschaft Schwartenberg in den Schützenverein aufgenommen.

Ein Jahr später stand ein besonderes Ereignis bevor: Die Fahnenweihe. Bereits im Vorjahr war die Anschaffung einer neuen Fahne beschlossen worden, mit deren Fertigung die Firma Reuter aus Münster beauftragt wurde. Als Motiv wählte der Schützenverein die Birken der ehemaligen Kiesberge von Lindloh. In der Lindloher Kapelle nahm Pfarrer Schwarte die kirchliche Weihe der neuen Fahne vor. Sowohl diese Zeremonie als auch das anschließende Fest wurden von Bernhard Theder und Anton Grönniger (Uhrmaker´s Töne) filmisch festgehalten.

Im Jahre 1967 veranstaltete der Schützenverein ein Preisschießen zugunsten der Kirche in Rütenbrock. Den Erlös von 2500,- DM überreichte man Pfarrer Meyer, der im selben Jahr in die Gemeinde gekommen war. Mit diesem Geld konnte er einen Teil der über 10000,- DM hohen Schuldenlast abtragen, die durch Renovierungsarbeiten am Kirchengebäude entstanden war. Sichtlich erleichtert nahm er den Scheck entgegen und sagte: „Bei so viel Mitarbeit von Seiten der Gemeinde ist mir für die Zukunft nicht bange.“ Als Abordnung des Vereins waren anwesend der erste Vorsitzende Johann Arens, der Schriftführer Heinrich Stroot, der Kassierer Bernhard Stroot und der Schießwart Bernhard Menke, außerdem der amtierende König Rudolf Robben, Gerhard Berends und Bernhard Fehrmann. Es wurde ein sehr gemütlicher Abend, Pfarrer Meyer spendierte pro 1000,- DM eine Flasche Weinbrand. Zum Schluss lud er die Abordnung ein, bald einmal wiederzukommen, was ihm in Hinblick auf den Zweck des Besuches natürlich nicht zugesagt werden konnte.

Das Jubelschützenfest (50 Jahre) im Jahre 1971 fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung statt. Das Wetter war wunderbar, als König Heinrich Brümmer vom Hause abgeholt wurde. Als besondere Attraktion waren alle noch lebenden Könige und Königinnen der vergangenen 50 Jahre beim Hause Brümmer angetreten. Der Festzug war zwei Kilometer lang. Bei Rudolf Janzen war der Empfang der auswärtigen Vereine Altenberge, Erika, Rütenmoor, Hebelermeer, Fehndorf und Wesuwe-Siedlung. Insgesamt waren es 272 Schützen, die mit ihrem jeweiligen Thron gekommen waren. Jeder Schütze bekam eine Erinnerungsplakette. Bernhard Grönniger, Alterskommandeur und einer der vier Gründer des Vereins, hielt die Festrede. Er sprach über die Gründungsjahre und erzählte von guten und schlechten Zeiten; so hatte der Sturm z. B. einmal das ganze Zelt hinweggefegt. „Zelt kaputt, alles kaputt, aber die Musik spielte weiter.“ Es war nämlich die Lindloher Musikkapelle, der auch er angehörte.

Nach mühevollen Verhandlungen war es gelungen, im Jahre 1973 einen eigenen Schützenplatz von der Gemeinde Lindloh zu kaufen. Da der Verein nun Besitz hatte, musste er beim Amtsgericht ins Vereinsregister eingetragen werden und trug von nun an den Namen Schützenverein „St. Hermanus“ Lindloh e. V.

Da das Sommerfest 1974 auf dem neuen Schützenplatz gefeiert werden sollte, musste dieser hergerichtet werden. Eine Umzäunung wurde erstellt, Windschutz angepflanzt, eine feste, sichere Schießbahn gebaut und eine gepflasterte Zuwegung über den Schützenplatz zur neuen Schießbahn geschaffen.

Im Frühjahr 1975 sollte der auf der Generalversammlung 1974 genehmigte Plan verwirklicht werden, zur im Sommer 1974 erbauten Schießbahn einen Vorraum mit Toilettenanlagen zu erstellen. Nach der Aufnahme eines Darlehns konnte der Vorstand es wagen, den Bauauftrag an Bauunternehmer Bernhard Janzen, Rütenbrock, zu vergeben. Schon im April konnte das Richtfest gefeiert werden. Der Lindloher Viehhändler Gerhard Nykamp spendete zu diesem Richtfest das erste Spanferkel, und so wurde nach dem Richtspruch das erste Spanferkelessen des Vereins im Festzelt an der Gaststätte Janzen gefeiert, zu dem natürlich noch einige weitere Spanferkel gespendet worden waren. Auf dem Schützenfest im Juni konnte der neue Schießstand durch Pfarrer Scharf gesegnet und seiner Bestimmung übergeben werden. Durch den Bau des Schießstandes bekam der Schießsport in Lindloh neuen Auftrieb.

Am Schützenfestdienstag wurde in diesem Jahr bei herrlichem Wetter ausgiebig gefeiert und der erste Kartoffelkönig der Vereinsgeschichte proklamiert. Die Würde, die aus alten, gekeimten Kartoffeln gefertigte Königskette zu tragen, wurde Hermann Arens zuteil. Kartoffelkönigin war Lisa Kamp.

Der Schützenverein Lindloh e. V. konnte im Jahre 1981 auf sein 60 jähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Grunde fand im Mai ein eintägiges Preis- und Pokalschießen unter dem Motto „60 jahre Schützenverein Lindloh“ statt.

Der Samstag des Sommerfestes stand ganz im Zeichen des 60. Jährigen Bestehens. Die Kameradschaftsvereine Altenberge, Erika, Musselkanaal, Rütenbrock, Rütenmoor und Fehndorf waren mit ihrem jeweiligen Thron schon zum Festumzug eingeladen worden. Der 1. Vorsitzende Heinrich Veenker hielt die Festansprache. Er erinnerte in seinem Rückblick sowohl an die Gründerjahre des Vereins als auch an die Gründungsmitglieder selbst, die nach einem Besuch des Wesuweer Schützenfestes den Mut fanden, erstmals 1921 in ihrer Heimatgemeinde auch ein solches Fest zu feiern.